Der Range Rover Velar ist mehr als nur ein luxuriöses SUV – er hat eine faszinierende Geschichte. Ursprünglich als getarnter Prototyp für den ersten Range Rover entwickelt, wurde der Name Velar Jahrzehnte später für eines der elegantesten und technisch innovativsten Modelle der Marke wiederbelebt. Von seinen geheimen Anfängen bis zur heutigen Design-Ikone verbindet der Velar britische Ingenieurskunst, Offroad-Kompetenz und modernes Luxus-Design. Ein Blick auf seine Entwicklung zeigt, wie aus einem geheimen Projekt ein Meilenstein der Automobilgeschichte wurde.

Die Idee: Entwicklung eines soften Freizeit-Land Rover
Der mit Fokus auf den US-Markt (auf den er aber erst 1987 kam) projektierte Range Rover wurde von Spen King und Gordon Bashford zwischen 1966 und 1970 als softerer Freizeit-Land Rover (interne Bezeichnung: »100 inch Station Wagon«) konzipiert und entwickelt. Unter der Bezeichnung Velar entstanden zunächst sieben »Engineering prototypes« – von denen noch zwei existieren – sowie 28 ebenfalls von Hand gebaute und bei der Zulassungsbehörde angemeldete Vorserienmodelle.
Der Tarnname „Velar“ geht auf den Ex-Alvis-Ingenieur Mike Dunn (Alvis wurde 1965 von Rover geschluckt) zurück. Er hatte ihn sich zunächst für ein Mittelmotor-SportwagenProjekt mit internem Code »P6BS« ausgedacht – so, dass er Buchstaben von Rover und Alvis beinhaltete. Da Dunn gut Italienisch sprach, kam er auf die Bezeichnung Velar, abgeleitet von »velare«, was »verhüllen« oder »verschleiern« bedeutet. Nachdem Rover das Projekt »P6BS« eingestampft hatte, ging die Nomenklatur auf die RR-Prototypen über. Praktischerweise konnte der am Bug angebrachte Schriftzug aus den vorhandenen Buchstaben des Wortes »Land Rover« zusammengesetzt werden.
Perfekte Tarnung: Keine Zulassung der Prototypen auf Velar
Die Prototypen wurden nicht auf Rover zugelassen, sondern auf eine in London ansässige Firma namens Velar. Um die Tarnung perfekt zu machen, wurden sie in der südlich von London gelegenen Stadt Croydon angemeldet, die hinter einem »Y« an zweiter und dritter Stelle der Nummernschild-Buchstabenfolge das Kürzel »VB« trugen. Daher sind die 28 Velar in England als die „YVBs“ bekannt.

Im ersten Auftrag entstanden insgesamt fünf Velar
Der Auftrag für die erste Charge von fünf Velar erging am 26. Sep¬tember 1969. Fahrgestellnummer 4 wurde im April 1970 fertiggestellt. Im Gegensatz zu den anderen Velar, die in privaten oder öffentlichen Dienst traten (mindestens einer war ein Feuerwehrauto), blieb er bei den Entwicklern, die sich, wie JLR Classic-Guru Mike Bishop es ausdrückte, „sofort dran machten, ihn zu Tode zu fahren“.
Zunächst musste das Auto einen 2400 Kilometer langen Test auf den belgischen Kopfsteinpflaster-Passagen des Testzentrums MIRA über sich ergehen lassen. Danach wurde es zerlegt, begutachtet und wieder zusammengesetzt. Es folgten 8000 Kilometer auf verschiedenen Marterstrecken des Militärtestgeländes Bagshot. Resultat? Nun, die aufgezogenen Michelin-Reifen, die später bis zu 130.000 Kilometer auf Polizeifahrzeugen halten würden, gaben nach nur 1600 Kilometern in der Wildnis von Surrey den Geist auf …
Der Velar #4 – intensive Vorbereitung für den Verkauf
Der Velar #4 wurde im Anschluss an diese Testungen erneut zerlegt, begutachtet und dann verkaufsfertig gemacht. Irgendwann hatte das Ingenieurteam die Innenausstattung von Schwarz auf die Serienfarbe Palomino geändert und die spröde Aluminiumhaube, die auch ohne die Torturen, denen dieses Exemplar ausgesetzt war, zu Rissen neigte, durch ein Serienteil aus Stahl ersetzt. Mit Blick auf den Verkauf wurde der Wagen in Lincoln Green umlackiert, der V8 (35500006a) zur Begutachtung ausgebaut und durch »EXP95« ersetzt. Ein experimenteller V8 aus der Ära der P5-Limousine und der vermutlich älteste noch funktionierende Rover-V8, der dann mit dem Getriebe 355002210A vermählt wurde.
Am 16. Juni 1971 wurde die Nummer 4 dann für 1650 Pfund an einen lokalen Firmenchef namens H. Evan Price verkauft. Er führte akribische Aufzeichnungen, die bis auf ein Problem mit der elektronischen Mallory-Zündung keine großen Ereignisse beinhalteten. Price behielt den Velar bis zu seinem Tod 1981. Danach ging er an eine Verwandte in Malvern, Mrs S. van der Pol, über. Da sie keine Möglichkeit hatte, ihn ordnungsgemäß unterzubringen, verkaufte sie ihn im Februar 1984 an den bekannten Sammler Bill Newport aus den Cotswolds.
„Mister Land Rover“ wird der neue Besitzer des Velar #4
In Anbetracht der niedrigen Fahrgestellnummer und der Originalität des Fahrzeugs genoss der Range Rover Velar einige Nachfrage. Der Australier Mike Bishop, der inzwischen den Ruf eines zweiten »Mister Land Rover« genoß, kaufte den Wagen. Noch während der Classic-Motor-Show im NEC Birmingham, wo das Fahrzeug ausgestellt wurde, führten weitere Untersuchungen zu der Erkenntnis, dass er ursprünglich in Amazonasgrün lackiert war.

Der Range Rover Velar #4 und die große Restaurierung
Als Folge der Covid-Pandemie hatte JLR Classic sein Reborn-Programm, bei dem frühe Land Rover in einen neuwertigen Zustand zurückversetzt wurden, eingestellt. Auf diese Weise konnte eine Restaurierung des mittlerweile stark in die Jahre gekommenen Range Rover Velar also nicht gelingen.
An dieser Stelle kam dann der Musiker Yuki Hayashi (44) ins Spiel, der vor allem bekannt ist für seine Aston-Martin-Sammlung. Yuki Hayashi besass aber auch einen Range Rover Velar, Chassis 134, ein Modell in Davos White, das zu den letzten Modellen des Reborn-Programms gehörte. Aufgrund seines Interesses und seiner Leidenschaft für die Marke wurde der Verkauf von Nummer 4 an Hayashi genehmigt.
Im Oktober 2023 begann die Restaurierung, die in der Octane-Ausgabe 75 im Detail vorgestellt wird.






Das ganze Portrait über den Range Rover Velar lesen Sie in OCTANE #75
10 spannende Fakten über den Range Rover Velar
- Buchstaben aus „Land Rover“ – Der Schriftzug „Velar“ wurde so gewählt, dass er sich aus den vorhandenen Buchstaben des „Land Rover“-Logos zusammensetzen ließ.
- Von der Idee zur Legende – Das Konzept eines luxuriösen, aber geländegängigen
- Nur 28 Vorserienmodelle – Bevor der erste offizielle Range Rover auf den Markt kam, wurden 28 handgefertigte Velar-Modelle für Tests und Zulassungen gebaut.
- Historischer V8 – Der Velar #4 wurde mit einem experimentellen Rover-V8 „EXP95“ ausgestattet, einem der ältesten noch existierenden Motoren dieser Baureihe.
- Farbliche Geheimnisse – Erst nach Jahrzehnten wurde entdeckt, dass der berühmte Velar #4 ursprünglich in Amazonasgrün lackiert war und nicht in Lincoln Green, wie lange angenommen.
- Rolle des North American Racing Teams (NART) – Luigi Chinetti, Gründer des NART, interessierte sich für den Velar als Basis für einen Hochleistungs-Offroader, doch das Projekt wurde nie realisiert.
- Erst später in den USA – Obwohl der Range Rover mit Fokus auf den US-Markt entwickelt wurde, kam er erst 1987 offiziell nach Amerika.
- Ein Name kehrt zurück – 2017 wurde der Name Velar von Land Rover wiederbelebt – diesmal als eleganter, technologiegetriebener Mittelklasse-SUV zwischen Evoque und Range Rover Sport.
- Technik der Zukunft – Der heutige Velar bietet hochmoderne Assistenzsysteme, Hybridmotoren und ein Touch Pro Duo-Infotainmentsystem mit zwei Bildschirmen.
- Luxus trifft auf Offroad-DNA – Trotz seiner urbanen Eleganz bleibt der Velar ein echter Range Rover – mit Allradantrieb, Terrain Response-System und der Fähigkeit, bis zu 58 cm tiefes Wasser zu durchqueren.
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