Champions - Octane Magazin

Champions

2015-04-01 12:15
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Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 12

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Text Bernhard Völker // Fotos Erwin Flieger brooom.com


Zwei Piloten im Gespräch, beide mit Helm und Overall – also Fahrerwechsel bei einem Langstreckenrennen; also Sportwagen, keine Formel 1. Der eine trägt noch einen Halbschalenhelm – das muss lange her sein.

In der Tat: eine Szene aus 1962, und vom Klassiker der Klassiker, den 24 Stunden von Le Mans. Die beiden, die sich hier absprechen, sind das erfolgreichste Team dieser Jahre: der Amerikaner Phil Hill (rechts) und Olivier Gendebien aus Belgien. Sie sind dabei, nach 1958 und 1961 zum dritten Mal auf einem Ferrari das prestigeträchtigste Rennen der Welt zu gewinnen. Der Belgier hatte zwei Jahre zuvor auch noch zusammen mit seinem Landsmann Paul Frère gesiegt: Er wird also nach dem Abwinken – traditionell am Sonntag um 16 Uhr – zum vierten Mal auf dem Podest ganz oben stehen. Eine Siegesfeier verlief damals spürbar anders als heute: Gratulation, Blumenstrauß, Nationalhymne, Beifall der Zuschauer – keine Magnumflaschen für die heute ritualisierte, infantile Champagnerspritzerei. Aber so weit sind wir hier noch nicht. Offensichtlich gibt Hill seinem Kollegen, der dann das Steuer übernimmt, auf der Boxenmauer letzte Hinweise, während sich die Monteure unten auf der Piste um das Auto kümmern: auftanken, gegebenenfalls Reifenwechsel, Öl nachfüllen, Bremsen überprüfen, Windschutzscheibe reinigen ... Was wird er ihm sagen? Vielleicht: weiter gleichmäßig fahren, Bremsen schonen, Kupplung nicht strapazieren, wir liegen ja seit Halbzeit wieder an der Spitze? Er trägt eine Reservebrille um den Hals. Das war verbreitete Praxis: Wenn die erste durch Ölspritzer, Regen, Gummi- und Bremsenabrieb verschmierte, war gleich Ersatz verfügbar. Sein Partner schützt sich mit einem von den Düsenpiloten übernommenen Helm, hat auch schon die Handschuhe übergestreift. Damals wechselten sich nur zwei Fahrer ab, etwa alle zwei Stunden. Sie jagten die Boliden – vier Liter Hubraum und fast 400 PS – über die langen Geraden mit Spitzengeschwindigkeiten von annähernd 300 km/h: ab 21 Uhr mit Scheinwerfern durch die Nacht bis zur Morgendämmerung. Gendebien hatte den Start übernommen und lag nach der ersten Stunde an der Spitze, gefolgt von einem Aston Martin und zwei Maserati. Doch die Reihen lichteten sich bald: Von den 54 Gestarteten sahen nur 18 die Zielflagge. Großer Erfolg für Ferrari: die ersten drei Plätze vor zwei Jaguar, Schnitt von 185 km/h. Aber auch ein Wendepunkt: Zum letzten Mal siegt in Le Mans ein Wagen mit Frontmotor. Wie in der Formel 1 setzt sich das Konzept Mittelmotor durch. Die roten Renner aus Maranello können ihre Serie noch bis 1965 verlängern, dann dominieren vier Jahre die Ford GT, und 1970 gelingt Porsche mit dem 917 der erste Triumph. Der Belgier war der mit Abstand erfolgreichste Sportwagenfahrer seiner Zeit, mit einer fast unglaublichen Siegesliste: auch Targa Florio (3), 12 Stunden Sebring (3), 12 Stunden Reims (2), 1000 km Nürburgring ... Und was macht er nach diesem erneuten Dauerstress? Er nimmt Abschied vom Rennsport.


Motorsport-Fotografien mit einzigartigem historischen Bezug, wie die hier gezeigten, sind Bestandteil des BROOOOM-Archivs und für Fotografie-Sammler in Galerie-Qualität zu erwerben unter www.broooom.com.


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