Nikola Tesla - von wegen Glamour - Octane Magazin

Nikola Tesla - von wegen Glamour

2014-12-11 10:22
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Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 8

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Text Dale Drinnon 


Jahrzehntelang war er der große Unbekannte unter denen, die die 
 Welt veränderten – und die bis heute missverstanden werden. 

An Talent und Forschergeist fehlte es Nikola Tesla sicherlich nicht. Eher das Wirtschaften mit Geld, die zu tätigenden Investitionen und das allgemeine Haushalten mit Kapital waren seine Schwachstelle - er verstand es nicht, sich als Erfinder zu vermarkten. Außerdem mangelte es ihm an Taktgefühl – in Bezug auf Manieren, aber auch Taktieren. So brachte dem Nicht-Helden selbst die Erfindung des Wechselstroms keinen Geldsegen.

Abgesehen von seiner wirklich bahnbrechenden und folgenschweren Entwicklung des Wechselstroms gibt es im Internet unendlich viele Hinweise, er habe noch viel mehr erfunden: Röntgenstrahlen, Roboter, Radar, Tacho, Laserstrahlen ... Es geht weiter und wird wirrer (Todesstrahlmaschine) und unglaublich (weltumspannendes System zur kontaktlosen Energieübertragung). Regierungen und Konzerne sollen die Verbreitung dieser Ideen vereitelt haben. Verrückt ist, dass das alles übertrieben klingt – die Wahrheit aber noch unwirklicher. Sein Leben war in Wahrheit lange nicht so glamourös, wie man annimmt. Was er erreichte, war dagegen umso bewundernswerter. Das Leben war hart, Tesla kein Held. Geboren wird der kleine Niko 1856 als Sohn eines überaus ehrgeizigen Geistlichen in Kroatien, das zu dieser Zeit unter Österreichischer Ägide steht (aus Gründen, so vielschichtig und verworren wie die Historie der gesamten Region, wird er trotzdem oft als Serbe bezeichnet). Sein älterer Bruder wird von den Eltern – als Erstgeborener – geradezu angebetet. Als Niko fünf ist, kommt der ältere Bruder bei einem Sturz vom Pferd ums Leben. Niko ist zum einen ein überaus sensibles Kind, zudem gibt es Spekulationen, nach denen er diesen Unfall mit verursacht hat. So geht die schwere Bürde der elterlichen Erwartungen vom Stammhalter auf den schmächtigen Niko über, der sich fortan nach Kräften bemüht, die Last allein zu schultern. Noch vor seinem 24. Geburtstag hat er vermutlich einen Nervenzusammenbruch. Den Rest seines Lebens verbringt er damit, den Erwartungen zu entsprechen, immer "gut genug" zu sein. Vielleicht war es deswegen unausweichlich, dass er 1884 in die USA ging und bei seinem großen Vorbild Thomas Edison anheuerte. Er hoffte, Edison würde seine Ideen in Bezug auf Wechselstrom angemessen würdigen. Dem war nicht so.


Zwar war Nikola Tesla dem Geld nicht abgeneigt, aber das Haushalten mit Kapital war ihm ein Graus, eine langweilige Pflicht, die er gern vernachlässigte.


Edison hatte bereits mit hohem finanziellen Aufwand auf etwas anderes gesetzt – nämlich auf das Gleichstromnetz. Für Teslas Ansatz interessierte sich Edison nicht besonders. Tesla kündigte und erzählte, der gewiefte Edison habe sich aus seinen Erfindungen nur die Rosinen herauspicken wollen, er habe sich wiederholt nicht an Versprechen gehalten und ihn obendrein auch nicht angemessen bezahlt. Traurigerweise schien sich da ein gewisses Muster herauszukristallisieren, das sich in Teslas Leben wiederholen sollte: Er entwickelte die Energieerzeugungs- und Verteilertechnologie für Wechselstrom, die die westliche Welt mit Strom versorgt, wurde damit weltberühmt – doch wirtschaftlich kam er nie auf einen grünen Zweig. Die unerfreuliche Entwicklung fand ihren Höhepunkt, als der Finanzmogul JP Morgan Tesla 1901 den Geldhahn zur Förderung eben dieses Energieübertragungssystems zudrehte und damit den finanziell bereits völlig überforderten Tesla endgültig in den Ruin trieb. Das besiegelte auch dessen Karriereende. Nachdem er noch jahrelang vergeblich um die Wiederherstellung seines Rufs als Forscher gekämpft hatte, starb er schließlich im Jahre 1943 einsam in einem New Yorker Hotel. Dies alles geschah mit einer geradezu tragischen Unausweichlichkeit. Tesla, als Forscher höchst erfolgreich, war die Rolle des Unternehmers nicht in die Wiege gelegt worden. Zwar war er dem Geld nicht abgeneigt und häufte auch zahlreiche Patente an, aber das nötige Wirtschaften mit Geld, die zu tätigenden Investitionen und das allgemeine Haushalten mit Kapital waren ihm ein Graus, eine langweilige Pflicht, die Nikola Tesla – ganz im Gegensatz beispielsweise zu Edison – gern vernachlässigte. Er verstand es nicht, sich als Erfinder zu vermarkten. Außerdem mangelte es ihm an Taktgefühl – in Bezug auf Manieren, aber auch Taktieren; gut möglich, dass ihn Morgan nicht einmal aus niederen Beweggründen fallen ließ, sondern weil die Finanzierung einem drahtlosen, weltweiten Kommunikationsnetz dienen sollte, Tesla aber an seinem Lieblingsprojekt, der Energieübertragung, arbeitete. Als er Morgan um eine weitere Finanzspritze bat und ihn dabei belästigte, war es nur konsequent von Morgan, den Zwangsneurotiker (möglicherweise Autist) loszuwerden. Es war wie Harakiri. Als wolle er sich nun endgültig zum Investor-Kassengift stilisieren, schrieb Tesla in der um Sensationen nie verlegenen Klatschpresse über Wetterkontrolle und – tatsächlich! – Todesstrahlen. Er hat sich damit, wie sich später herausstellte, ernsthaft befasst; ebenso wie mit Laser- und Funkmesstechnik. Jedoch sollte man – ohne nun gleich Verschwörungstheorien zu bemühen – nicht vergessen, dass es nicht dasselbe ist, wenn jemand „einen“ Tacho erfindet oder „den“ Tacho. Genauso ist „forschen“ nicht dasselbe wie „entwickeln“, und „erfinden“ ist noch mal etwas anderes. Trotzdem, als Vorbild für kleine junge Leute fände ich Nikola Tesla auf jeden Fall immer spannender als Typen wie Edison oder Morgan!


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