Legenden: Apple Macintosh - Octane Magazin

Legenden: Apple Macintosh

2014-11-09 09:00
(Kommentare: 0)

Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 1

Zum Heft Heft bestellen Abo

Text Delwyn Mallett 


Es war geradezu sensationell: Dank des „Macs“ - der von Experten anfangs  als „Spielzeug“ abgetan wurde - konnte nun ein Laie einen Rechner anschalten und benutzen. 

Mit einem spektakulären Werbespot wurde Amerika im Jahre 1984 auf jene Maschine aufmerksam gemacht, welche die Welt der Personal-Computer seither revolutioniert hat. Nicht nur die Werbebranche sollte nie wieder so sein wie zuvor, sondern gleich die ganze Welt – dies war das Fazit des Spots. In weniger als zehn Jahren hatte sich Apple mit dem „Mac“ als bedeutender Hersteller etabliert. Das kleine Gerät wurde zum Liebling von Grafikern, Designern und Kreativen in aller Welt. Letztlich sollte noch dafür gesorgt werden, dass Apple-Geräte nicht nur besser funktionieren als die der Konkurrenz, sondern auch besser aussehen.

Nach der Halbzeit war das Super Bowl XVIII in vollem Gang. Die Los Angeles Raiders machten sich daran, den Favoriten zu besiegen. In den Wett-Büros drehten alle durch, die Washington Redskins kämpften tapfer ... als die Übertragung für einen Werbespot unterbrochen wurde. Mit 80 Millionen Zuschauern war die Sendezeit des Super Bowl die kostspieligste in der gesamten amerikanischen TV-Landschaft. Der Regisseur Ridley Scott hatte den Werbefilm inszeniert; mit Produktionskosten von knapp einer Million Dollar war es einer der teuersten Spots, die je gedreht wurden. Die Übertragung des Sportspektakels wurde also unterbrochen – und seit jenem 22. Januar 1984 ist exakt dieser Moment ein Meilenstein der Werbebranche. Der Film bedient sich der Vision einer Welt der absoluten Kontrolle und Gleichheit, wie von George Orwell in dem Roman 1984 beschrieben. Man sieht eine junge Frau, die in roten Shorts durch eine Arena voller grau gekleideter Arbeiter läuft. Sie schleudert einen Vorschlaghammer in einen riesigen Bildschirm, von dem Big Brother zu der versammelten Menge spricht. Dazu eine Lautsprecherstimme: »On January 24th Apple Computer will introduce Macintosh, and you’ll see why 1984 will not be like 1984.«  


Der gemeine Arbeitsplatzrechner wurde bis dato über Programmier-Befehle gesteuert, der Macintosh ermöglichte es dagegen, »Fenster« zu öffnen. Man konnte sich mit einer »Maus« über ein Graphical User Interface (GUI) bewegen und durch Klicken auf »Icons« der Maschine Befehle erteilen.


Nicht nur die Werbebranche sollte nie wieder so sein wie zuvor – sondern gleich die ganze Welt. Eine kühne Ansage. So wurde Amerika auf die Maschine aufmerksam gemacht, die die Welt der Personal-Computer seither revolutioniert hat. So wurde die Vorherrschaft von IBM – der Großmacht im Geschäft der Rechner – angefochten, so begann eine Kultbewegung, die unseren Alltag unvorhersehbar digitalisiert hat. In weniger als zehn Jahren hatte sich Apple mit dem kleinen Gerät als bedeutender Hersteller etabliert. Die neue, irre Vision von Steve Jobs war, dass die Zukunft nicht dem Arbeitsplatz im Büro gehörte, sondern Benutzern zuhause, die sich leicht zu bedienende, formschöne Geräte wünschten. Der gemeine Arbeitsplatzrechner wurde bis dato über Programmier-Befehle gesteuert, der Macintosh ermöglichte es dagegen, »Fenster« zu öffnen. Man konnte sich mit einer »Maus« über ein Graphical User Interface (GUI) bewegen und durch Klicken auf »Icons« der Maschine Befehle erteilen. Klingt lachhaft. Noch lächerlicher war die Reaktion der Experten: sie haben den Macintosh als Spielzeug abgetan. »Der Macintosh«, erklärte einer von ihnen, »benutzt ein experimentelles Zeigegerät namens ‚Maus‘. Nichts, rein gar nichts deutet darauf hin, dass die Kunden so etwas wollen.« Die Macintosh-Features existierten bereits in anderen Systemen, die Maus schon seit 1963. Wegweisend war die 30.000 Dollar teure Alto-Workstation, die in den 1970er Jahren von Xerox PARC (Palo Alto Reseach Center) gebaut wurde. Xerox gelang es nicht, die Technologie gewinnbringend zu kommerzialisieren, Jobs glaubte jedoch, man müsse sie nur verfeinern und leichter zugänglich machen. 

Trotz permanenter Weiterentwicklung und innovativer Produkte befand sich Apple lange und immer wieder auf dem absteigenden Ast.

Im Januar 1983 brachte Apple sein Flaggschiff Lisa auf den Markt, den weltweit ersten Desktop-Computer mit einer grafischen Schnittstelle. Für 9.995 Dollar war er allerdings für die User, die Jobs erreichen wollte, unerschwinglich. Also startete er das Macintosh-Programm. Ziel: ein Computer mit grafischem Interface ab 2.000 Dollar. Doch obwohl der Apple Macintosh 128k (Ladenpreis: $2.495) die Blaupause für die Entwicklung aller folgenden Personal Computer lieferte, verlor die Firma zunächst den Kampf um die Vorherrschaft am Markt. Das Fehlen von Anwendungssoftware verlangsamte die durch den Launch des Geräts verursachte Dynamik. Das Unternehmen ging fast unter. Kämpfe im Management über die künftige Firmenpolitik führten zu Steve Jobs’ Rücktritt, und trotz permanenter Weiterentwicklung und innovativer Produkte befand sich Apple lange und immer wieder auf dem absteigenden Ast. Erst Jobs’ Rückkehr 1997 und die Einführung des iMac 1998 konnten den Abwärtstrend stoppen. Das benutzerfreundliche Betriebssystem und die hervorragenden grafischen Programme des Mac revolutionierten schließlich den Bereich des Desktop Publishing. Der Mac wurde zum Liebling von Grafikern, Designern und Kreativen in aller Welt. Bis heute erfreut er sich einer fanatischen Anhängerschaft. Seinen Erfolg verdankt er sicherlich auch Steve Jobs’ Forderung, die besten Industriedesigner einzustellen, damit die Apple-Geräte nicht nur besser funktionieren als die der Konkurrenz, sondern auch besser aussehen.

 


Diese Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 1

Zum Heft Heft bestellen Abo

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Folgen Sie uns auf: