Heldentaten - Octane Magazin

Heldentaten

2015-08-02 10:10
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Text Doug Nye 


Fünf Mal war Juan Manuel Fangio Weltmeister – und doch mochten ihn auch diejenigen, die er besiegte

Juan Manuel Fango war unbestritten einer der größten Rennfahrer aller Zeiten. Und er war ein überaus netter und feiner Mensch. Stirling Moss fasste es einst perfekt in Worte: »Er hatte so viele wunderbare Charaktereigenschaften – die man selbst gerne gehabt hätte, aber eben nicht hatte –, dass es fast weh tat.« Zu seiner nahezu unerreichten Schnelligkeit und seinem technischen gesellten sich eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Vorausschau, Reife, Demut und eine große Portion Menschenverstand. Er war einer der Leute, die so oft im rechten Moment am rechten Ort waren.

Der Sieg bei einem zur Weltmeisterschaft zählenden Grand Prix war zu Fangios Zeiten ein seltenes Ereignis, denn nur wenige Rennen wurden pro Jahr gefahren. Im gesamten Verlauf seiner Karriere bestritt Fangio lediglich 51 WM­Rennen. 24 davon gewann er, und bei allen Rennen außer zweien startete er in der ersten Startreihe, 29 Mal auf der Pole. Manche sagen, dass Fangio im Grand­Prix­Wagen zwar die Norm vorgegeben habe, im Sportwagen jedoch nicht so gut gewesen sei. Fangio selbst hatte immer an Schicksal geglaubt und sagte einmal: »Das Pech hat mich immer nur in Sportwagenrennen ereilt, im Grand­Prix­Sport war mir das Glück immer hold ... « Es gehörte jedoch mehr als Glück dazu, die fünftägige Carrera Panamericana quer durch Mexiko für Lancia zu gewinnen, und zweimal – für Ferrari und Maserati – die 12 Stunden von Sebring als Sieger zu beenden sowie für Alfa Romeo und für Mercedes Zweiter bei der Mille Miglia zu werden.

Fangio dominierte in fast jedem Rennwagen, in dem er saß, und für seine Rivalen war er zwischen 1950 und 1957 die Messlatte schlechthin. Seinen ersten großen Sieg hatte er 1940 in einem Chevrolet V8 Coupé beim Gran Premio Internacional del Norte erzielt, einem 9945 Kilometer langen Rennen von Buenos Aires nach Lima und zurück. Mit seinen Turismo­Carretera­Titeln 1940 und 1941 war er zum National­Helden avanciert. Als es nach dem Krieg 1947 mit dem Rennsport weiterging, ging es auch mit Fangios Karriere weiter bergauf. Er war jetzt ein ausgebildeter und erfahrener Mechaniker mit eigener Werkstatt. 1949 kam er zurück und gewann in den vom ACA ins Feld geführten Gordini und Ferrari und in einem Maserati 4CLT mehrere Rennen. Die Erfolge bescherten ihm für 1950 einen Platz im Alfa­Romeo­Werksteam.

1951 kam niemand an Fangio heran. Er schlug selbst Alberto Ascari im Ferrari und holte sich seinen ersten WM-Titel

1952 mit Maserati, brach er sich bei einem Crash in Monza im Juni mehrere Halswirbel und war für den Rest der Saison außer Gefecht. Als er 1953 antrat, bestritt er Grands Prix für Maserati und Sportwagenrennen für Alfa Romeo und Lancia. Er gewann den italienischen Grand Prix für Maserati, wurde trotz defekter Lenkung Zweiter für Alfa Romeo in der Mille Miglia und holte den Sieg für Lancia in der mexikanischen Carrera Panamericana.1954 war er bei Mercedes unter Vertrag. Doch die hochentwickelten W 196 wurden erst im Sommer fertig, weshalb Fangio die WM­Läufe in Argentinien und Belgien noch für Maserati bestritt – und in einem brandneuen 250F auch gewann. Beim Grand Prix von Frankreich saß er dann im stromlinienförmigen Mercedes­Benz W 196. Er gewann auch dieses Rennen, und der W 196 sollte ihn noch zu mehr Siegen und schließlich zu seinem zweiten Weltmeistertitel tragen. 1955 fuhr er alle Rennen für Mercedes und war zu Saisonschluss der erste dreifache Formel­1­Weltmeister.

Ende 1955 zog sich Mercedes vom Motorsport zurück. Enzo Ferrari ergriff sofort die Chance und bot Fangio für 1956 einen Platz in seinen auf dem Lancia V8 basierenden Autos an. Erst spät in der Saison war Fangio damit wirklich erfolgreich, aber es genügte, um sich den vierten WM­Titel zu sichern. Allerdings fanden Fangio und Ferrari nie so richtig zueinander. und so kehrte der Argentinier 1957 im Alter von 46 Jahren zurück zu seiner ersten Liebe – Maserati. Im Maserati Lightweight 250F gewann er dann seinen letzten argentinischen Grand Prix, dann den Monaco­GP, den Frankreich­GP und – was am meisten Aufsehen erregte – den Großen Preis von Deutschland. Mit fünf Weltmeisterschaftstiteln in der Tasche beendete er im Juli 1958 seine Vollzeitrennkarriere. Noch Jahrzehnte nach seinem Karriereende war Juan Manuel Fangio – der lateinamerikanische Superstar mit der fast nordisch anmutenden Coolness und Ruhe – das, was er immer gewesen war und was in der Sportwelt so rar gesät ist: ein Aristokrat.


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