Gelbe Wahrzeichen mit Kultstatus - Octane Magazin

Gelbe Wahrzeichen mit Kultstatus

2015-04-14 10:45
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Der Vorspann des Films Taxi Driver ist ein kleiner Klassiker für sich und eine Hommage an die Checker Cabs. Seit Jahrzehnten sind sie Tag und Nacht im Einsatz in Manhattan.

Die Yellow Cabs sind ein Wahrzeichen der Stadt, so wie die Black Cabs in London. Das Checker-Modell kam allerdings auf Umwegen nach New York, die Geschichte der Cabs ist fast so dramatisch wie die von Travis Bickle, in Taxi Driver von Robert de Niro unvergesslich dargestellt. Sandor Hertz wurde 1879 in Ruttka geboren, in der heutigen Slowakei. Nach der Übersiedelung der Eltern in die USA wurde er Zeitungsjunge, dann Sportreporter, Boxer, Boxmanager und schließlich – 1904 – Gebrauchtwagenhändler in Chicago. Er wollte mehr, als nur die in Zahlung gegebenen Autos verkaufen. Nach einem Aufenthalt in Paris beschloss er, die Idee motorisierter Droschken amerikanischen Verhältnissen anzupassen. Dabei interessierte ihn nicht das Gemeinwohl, sondern die mögliche Profitmaximierung der Sache. Mit einer Kolonne von vierzig strahlend gelben, unübersehbaren Wagen flutete er im August 1915 die Straßen. Zehn Jahre später war die Yellow Cab Co. das weltweit größte Taxiunternehmen. Jeden der 2700 Wagen der Flotte baute die Yellow Cab Manufacturing Company, auch eine Firma von Hertz. Bald fuhr das Modell in ganz Amerika. In Chicago verdrängte Hertz (inzwischen John Daniel) bald sämtliche kleineren Konkurrenten, sodass nur ein Wettbewerber blieb: die Checker Cab Company. Checker war ein Zusammenschluss unabhängiger Taxiunternehmer. Hertz beschloss, seine Kontakte bei den Behörden einzusetzen, um den Konkurrenten mit Verordnungen das Leben schwer zu machen. Chicago ist ein heißes Pflaster, zumal zu der Zeit, und so wurde der Streit schnell mit offenem Visier fortgeführt. Es kam zu Schießereien, Dynamitstangen flogen in manches Taxi, Bandenkriege tobten, die Unterwelt regierte. Wie in der Fernsehserie Chicago 1930, getreu dem Spruch von Al Capone: »Jeder Mann hat seinen Preis.« Zu der Zeit, dieser Taxi Cab Wars, wurde es auch Hertz zu viel. Er zog sich aus dem Geschäft der vermietbaren Taxen zurück und konzentrierte sich auf eine Geschäftsidee, die er parallel angeschoben hatte. Nicht ganz so schnelllebig, aber eine sichere Bank, wie sich herausstellen sollte: Er vermietete Autos langfristig – für Tage statt Stunden.

Chicago ist ein heißes Pflaster, zumal zu der Zeit, und so wurde der Streit schnell mit offenem Visier fortgeführt. Es kam zu Schießereien, Dynamitstangen flogen in manches Taxi, Bandenkriege tobten, die Unterwelt regierte

Daher Hertz – Autovermietung. Bis heute. Den Mehrheitsanteil der Taxiproduktion hatte Hertz 1925 bereits an General Motors verkauft. 1929 übernahm ein gewisser Morris Markin dann Hertz’ An teile an der Yellow Cab Co. Der aus Russland stammende Eigentümer der Checker Cab Manufacturing Company (selbst ein Überlebender eines Bombenattentats im Taxikrieg) schacherte mit Zulieferern und Kutschenbauern, Anteilen und Lizenzen – und formte daraus die Checker Cab Co. Die Firma mit dem Schachmuster hatte Markin nach ein paar verblüffenden ökonomischen Schachzügen, immer unter dem Verdacht der Korruption und hart an der Grenze zur Legalität, schließlich voll und ganz unter seiner Kontrolle; genauso wie die Rechte und Verträge von Yellow Cab. Nun vergab er die Lizenzen an Unternehmen und Fahrer, und bestimmte zugleich, welche Autos sie einsetzen durften – nämlich die aus seinen Firmen (Yellow oder Checker).Der klotzige Checker A8, das Modell, das ein Vierteljahrhundert überdauerte, kam 1956 auf den Markt; den Taxen-Markt. Nur ein winziger Anteil ging an Privatkunden. Die Konstruktion entsprach speziellen Vorschriften der Stadt New York. Doch auch die Behörden mussten schließlich dem Druck der Autohersteller nachgeben und auch andere Fabrikate zulassen. Damit hatte für den Checker das letzte Stündlein geschlagen, die Produktion wurde 1982 eingestellt. Das letzte Checker Cab wurde nach gut zehn Jahren Dienst und 1.609.344 Kilometern in den Ruhestand entsandt. Mit viel Tamtam am Times Square 1999. Bei Sotheby’s wurde es kurz darauf für 134.500 Dollar (!) versteigert. Derselbe Wagen (Chassis No.: A11299882936E) brachte im Jahr 2006 beim Auktionshaus Christies dann aber nur noch 9400 Dollar. Tja, alles hat seinen Preis.


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