Im Dutzend bulliger - Teil 2 - Octane Magazin

Im Dutzend bulliger - Teil 2

2015-10-27 09:38
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Weitere Backgrounds zu allen Lambos finden Sie in OCTANE Ausgabe 17

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Text Glen Waddington// Fotos[Paul Harmer


Kein Supercar-Hersteller war so wild entschlossen, mit seinen Fahrzeugen Eindruck zu schinden. Daher am liebsten mit V12-Motor – eine Symphonie des Exzess

Wir alle kennen die Anekdote – oder die nie bestätigte Mär – der zufolge der Self-made-Millionär Ferruccio Lamborghini mit seinem Ferrari so viel Ärger hatte, dass er beschloss, sich sein eigenes – überlegenes – Auto selbst zu bauen. Ob das nun stimmt oder nicht, Tatsache ist, dass der Nutzfahrzeughersteller 1963 seine eigene Sportwagenmanufaktur gründete und bereits im Jahr darauf den 350 GT hergestellt hat. Wirtschaftlich lief es nicht immer rund, trotzdem existiert die Marke seit über 50 Jahren – und allein die Latte an V12-motorisierten Lamborghini ist mehr als beachtlich. Die wichtigsten (hier: Teil 2) folgen als Serie im Porträt. Sie alle zeigen noch einmal und eindrücklich, wo der Hammer hängt – und das ist keine Mär: Lamborghini ist nach wie vor der wohl abgefahrenste Hersteller von Supercars. 

Teil 2: Der Miura: Produktionszeitraum 1966 - 1972  Stückzahl: 764

Miuras habe ich im hügeligen Hinterland von Kalifornien gefahren, ebenso am Lago Iseo in Italien. Immer kann ich mich sehr präzise an die Landschaft erinnern, aber auch an den jeweiligen Wagen. Es ist die reine Poesie: Anders als spätere Lambos wirkt der Proto-Supercar mit seinen Rundungen und den sexy Wimpern nicht so einschüchternd, er hat viel mehr von dem klassischen, diesem zurückhaltenden Stil der GTs aus Maranello als von dem Brutalogehabe späterer Kreationen aus Sant’Agata. So weit, so gut und richtig – bis man den Motor anwirft, diesen fauchenden V12. Wenn der mit den Zähnen fletscht, ist alles auf einen Schlag anders. Sobald das Türschloss eingerastet ist, befindet man sich in halb liegender Haltung, zwischen den Knien ein fettes, fast senkrecht gestelltes Lenkrad. Abgesehen von den Schaltern auf der hohen Mittelkonsole ist alles tief angeordnet, in Harmonie mit der extrem geneigten Panorama-Windschutzscheibe. Man hat das Gefühl, als würde man auf der Straße liegen – dabei befindet man sich quasi in der Nase des Miura wesentich weiter vorne als in der Pfeilspitze des Countach. Fünf Gänge laden zum Spielen ein; eingelegt werden sie über einen Schalthebel, der sich mit wunder-bar mechanischer Attitüde und sanftem Druck von einer Position in die nächste bewegen lässt. In jedem einzelnen Gang drückt einen die Beschleunigung tiefer in den Sitz, während der V12 über die komplette Skala des Drehzahlmessers hinweg sein Gebrüll auslebt. Der Begriff Supercar ist nicht von PR-Gecken erdacht worden. Kurven nimmt er eher in zu weiten Schwüngen als direkt und zackig. Obwohl der Miura – bei moderatem Tempo – fast harmlos über den Asphalt gleitet, kann er auch urplötzlich zubeißen. Trotz der Tatsache, dass er als Erster aus dem Nest der Supercars geschlüpft ist, wirkt der Miura zivilisiert. Naja ... fast.

Lamborghini Miura P400

Baujahr 1967 Motor 3929 ccm V12, DOHC pro Zylinderbank, vier Fallstrom-Dreifachvergaser Weber 46 IDA C Motorleistung 350 PS bei 7000 U/min Drehmoment 406 Nm bei 5500 U/Min Kraftübertragung 5-Gang-Getriebe, Hinterradantrieb Lenkung Zahnstange Fahrwerk Trapez-Dreieckquerlenker, Schraubenfedern, Teleskopdämpfer Bremsen Scheiben Leergewicht 1180 kg Höchstgeschwindigkeit 262 km/h. 0 – 100 km/h in 6,3 Sekunden


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