Heldentour, rosso forte! - Octane Magazin

Heldentour, rosso forte!

2015-04-30 10:09
(Kommentare: 0)

Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 13

Zum Heft Heft bestellen Abo

Text Philine und Sven Schrader // Fotos Kai R Joachim


Vor rund 60 Jahren erblickte Alfa Romeos Giulietta das Licht der Welt. Für eine Neuauflage der Heldentour hat sich OCTANE mit dem Klassiker und dem neuen Alfa Romeo 4C auf Achse gemacht

Alfa Romeo baute 1954 das erste Modell der Giulietta, das wegweisend für die Marke und für den ganzen Automobilbau sein wird. Mit dem Doppelnockenwellen-Vierzylindermotor vorn und Heckantrieb, modernem Fahrwerk, einer Vielzahl an Karosserievarianten, die alle aufgrund der kostengünstigen Massenproduktion nicht billig, aber bezahlbar waren, positionierte sich die Marke drei Jahrzehnte lang im europäischen Oberhaus der Autoproduzenten.


Wir von OCTANE wollten wissen, wie die Italiener es damals geschafft haben, uns alle zu Anhängern der roten Garde zu machen. Natürlich muss auch das Auto zu diesem Zweck rot sein und außerdem ein Cabrio, denn schließlich ist aus der von Pininfarina gezeichneten Giulietta Spider später ein eigenständiges Modell geworden, in dem neben Dustin Hoffman alle Abiturienten der 60er in Gedanken durch die USA fuhren. Da war die Giulietta schon fast Geschichte, jedenfalls die erste Generation, aber genau genommen hat es die Giulietta-Gene in den Weiterentwicklungen – wie der Giulia, dem Spider, der Alfetta und den GTA – immer gegeben, sie hieß nur manchmal anders. Auch für die Einführung des technisch herausragenden Transaxle-Prinzips in der »kleinen Klasse«, wurde der Giulietta wieder die Vorreiterrolle von Alfa zugedacht, indem 1977 eine zweite Generation unter dem Namen erschien.

Die jetzige und dritte Generation hat – quasi nebenbei – ebenfalls einen Gamechanger geboren. Sie selbst bleibt eigentlich ein gut designter Fiat, aber die technischen Komponenten haben ein Auto ermöglicht, das für die Geschichte von Alfa Romeo in sechs Dekaden auch als Wendepunkt nach eher mauen Jahren bezeichnet werden kann: den Alfa Romeo 4C. Der ist zwar kein Massenprodukt, doch er hat alles, was wir mal mit Alfa Romeo in Verbindung gebracht haben: Hinterradantrieb und Mittelmotor (aus Vorderachse und Frontmotor der Giulietta), tolles Design, sportliche Abstimmung, gute Leistung bei sehr geringem Gewicht. Wir fahren den 4C als Coupé in einer mit einigen Extras aufgewerteten Version. Der 4C ist schon sehr Corso rosso. Aber zwischen den Rennstrecken in Hockenheim, Zolder, Spa oder Nürburg macht die rote Heldin von 1954 noch mehr Spaß – vor allem, wenn man eine Frau ist! Während für großgewachsene Herren die Sicht auf die Straße nämlich meist durch den Windschutzscheibenrahmen versperrt ist und das mehr oder weniger dichte Haupthaar zerzaust, fühlt man sich als Frau wie Sophia Loren auf dem Weg in die Toskana. Und auch wenn es jetzt nicht die Toskana ist, sondern die Mosel- und Eifelgegend, durch die uns das Roadbook der 2. AvD Heldentour führt, färbt die Anmut und Eleganz der Giulietta auf uns ab.

Ein wahres Gefühl von Freiheit und Überlegenheit entsteht besonders in den Momenten, in denen die Sonne sich dazu entschließt, uns mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Da wird die Giulietta Spider zu einer italienischen Diva und lässt uns nicht nur mental erröten, sondern macht uns zu echten Rothäuten. Aber Julchen ist ein wahres Allround-Talent, so wie eine (italienische) Frau es eben sein muss. Sie kämpft sich am zweiten Tag der Tour die Serpentinen bei Bernkastel und Veldenz herauf und schlägt sich auch am folgenden Tag auf den Rennstrecken – insbesondere Zolder in Belgien hat es in sich – trotz Regen und rutschigem Asphalt wacker. Und als gegen Ende der Woche das Wetter zunehmend schlechter wird und wir kurzerhand unter einer Brücke Schutz vor dem sintflutartigen Regen suchen müssen, beweist sie ihre Vielfältigkeit. Wir schließen einfach das Verdeck - dem sie übrigens ihren Namen verdankt. Denn die Giulietta Spider trägt ihren Beinamen deshalb, weil die Halterung des Verdecks, ähnlich einer Wäschespinne, unverkleidet aus dem Innenraum sichtbar ist. Es ist in erster Linie der Charme dieser schönen alten Dame, der alle Fahrer, Beifahrer und Zuschauer betört – und der Alfa Romeo zu dem machte, was wir liebten. Der 4C hat noch sechzig Jahre Zeit, um seine Stärken in Szene zu setzen und damit Alfa Romeo wieder zu alter roter Stärke zu bringen.


 

Unsere Presenting Editor, Gabriele Spangenberg, hat die Heldentour ebenfalls miterlebt. Und zwar so:

Ja, wir waren Helden. Helden waren auf jeden Fall die schönen alten Autos, die fünf lange Tage viele Stunden auf klei-nen, teilweise strapaziösen Straßen un-terwegs waren und durchhielten. Helden waren auch die Roadbook-Autoren, denn die Route führte durch wunderschöne Gegenden Deutschlands, die sich für Autobahn- oder Zugreisende nicht erahnen lassen.Die Beifahrer waren Helden, weil sie den Weg fanden, auch wenn er nicht immer so klar war. Vegetarier, falls es sie gab, waren auch Helden, denn wenn sie nicht verhungert sind, leben sie auch heute noch. Hungrige Helden waren die Normalesser, denn mittags gab es eine Bifi und ein Corny oder ein ... Frikadellen-Brötchen. Echte Heldinnen waren die Damen, darunter einige in fortgeschrittenen Semestern, die auf den Rennstrecken bei strömendem Regen keine offene Toilette fanden.Es gab große Helden in der technischen Abnahme, die so aufmerksam waren, dass ihnen ein fehlender Aufkleber im Helm nicht entging, wohl aber der Sinn dieser Aktion.

Hungrig, ohne Toilette, nass und umherirrend

Denn die behelmten Teilnehmer der Wettbewerbs-Sektion wurden gleichzeitig mit den barköpfigen Teilnehmern der Gleichmäßigkeits-Sektion auf die Rennstrecken gelassen. Helden gab es natürlich en masse abends an der Bar. Held war mein ältester Sohn, der sich auf seine erste Rallye mit mir einließ, ohne ein einziges Straßenschild zu kennen. Und tapfer geduldig meine peinlichen Kommentare ertrug. Ich bin bekanntermaßen kein Freund der Gleichmäßigkeits-Rallyes und darf nun sicher behaupten, das diese Rallyes meine Abneigung heldenhaft erwidern. (Verfahren, verrechnen, verirren und verhungern sind nur einige der Machenschaften, mit denen sie zurückschlagen.) Spaß hat die Tour dennoch gemacht, denn die Heldentour hat wirklich fabelhaftes Potenzial.


Die ganze Story finden Sie in OCTANE Ausgabe 13

Zum Heft Heft bestellen Abo

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Folgen Sie uns auf: